Sonntag, 9. Oktober 2011

Wer ist Herman Cain?

Herman Cain - dieser Name ist seit einigen Tagen nicht nur jenen bekannt, die sich intensiv für die Vorwahlen der Republikaner in den USA interessieren. Der 65jährige hat seit seinem Sieg bei der Mini-Testwahl in Florida am 24. September gewaltig aufgeholt: Vor ein paar Wochen noch nahm niemand Herman Cain ernst, jetzt aber liegt er in einer Meinungsumfrage des Fernsehsenders CBS mit dem Favoriten Mitt Romney gleichauf an der Spitze des Kandidatenfeldes. Zudem ist sein Buch "This Is Herman Cain!: My Journey to the White House" ein Bestseller.

Wer ist Herman Cain?
Herman Cain wurde am 13. Dezember 1945 in Memphis (Tennessee) in einfachen Verhältnissen geboren und wuchs dann in Georgia auf. Cain studierte zuerst Mathematik und dann Computerwissenschaften. Er arbeitete zunächst als Ingenieur für die amerikanische Marine, dann für Coca-Cola und später für den Lebensmittelkonzern Pillsbury, bei dem er 1980 als 36jähriger die Leitung von 400 Filialen der Fast Food-Kette Burger King übernahm.

1986 machte ihn der Pillsbury-Konzern zum CEO der Godfather's Pizza-Kette, die unter seiner Führung wieder profitabel wurde. 1988 kauften Herman Cain und eine Gruppe von Investoren Godfather's Pizza von Pillsbury und Cain war bis 1996 an der Spitze des Unternehmens. Anschließend war er im Aufsichtsrat der Federal Reserve Bank of Kansas City und mehrerer Unternehmen und hatte bis Februar 2011 seine eigene Radio-Talkshow in Atlanta.

Im Jahr 2000 war Herman Cain schon einmal Kandidat im Vorwahlkampf der Republikaner, sah aber schnell ein, dass er keine Chance hatte. 2004 wollte er für Georgia in den U.S.-Senat einziehen, jedoch verlor er in den Vorwahlen der Republikaner. Bis heute hatte Herman Cain also noch kein einziges politisches Amt inne.

2006 erkrankte Cain an Darm- und Leberkrebs und hatte nur eine 30 Prozent-Chance zum Überleben. Die Behandlung war jedoch erfolgreich und Cain ist seitdem krebsfrei.

Herman Cain gehört zur Tea Party-Bewegung und zählt damit zum erzkonservativen Teil der Republikaner, im Gegenteil etwa zu Mitt Romney. Sein "9-9-9"-Plan hat in den letzten Tagen viel Aufmerksamkeit erhalten: nur 9 Prozent Steuern für Unternehmen und auch nur 9 Prozent Einkommensteuer für alle Bürger, dafür aber die Einführung einer landesweiten Mehrwertsteuer von 9 Prozent, zusätzlich zu den Mehrwertsteuern der meisten Bundesstaaten.

Ein Interview mit Herman Cain gibt es hier zu sehen:

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich halt einen vortrag über die Wahlen - könnte mir jemand vielleicht noch Genaueres über die anderen Kandidaten erzählen? Danke!

Kai hat gesagt…

Google einfach mal den jeweiligen Namen + Wikipedia, da gibt es recht umfangreiche Infos.

Anonym hat gesagt…

Ja das hab ich auch schon gemacht aber der Lehrer meinte er würde das suchen... und über Ron Paul zum Beispiel finde ich wenige nützliche Infos
Aber danke trotzdem!

Andreas hat gesagt…

Danke, Kai, für die informativen, sehr gut recherchierten Berichte und Artikel zu den US-Wahlen 2012. So ein Blog fehlte mir bisher, ich wohne ja in Deutschland.

Ich beschäftige mich vertieft mit der politischen US-Landschaft auf Bundesebene und den jeweiligen Präsidentschaftswahlen und Vorwahlen samt Kandidaten.

Eine Frage: fühlst Du Dich angesichts der teils extremen Polarisierung des politischen Bundeslebens noch heimisch in den Staaten?

Liebe Grüße,

Andreas

Kai hat gesagt…

Hallo Andreas,

vielen Dank fuer dein Lob und die interessante Frage!

Fuer mich ist Heimat eher eine Lokalfrage. Ich mag den Ort, an dem ich lebe und arbeite, meine Freunde hier, usw. Die zunehmende Polarisierung findet eher zwischen den Parteien statt. Wenn man mit Leuten darueber redet, schuetteln alle nur den Kopf und fragen, wo das noch hinfuehren soll.

Nur 9 Prozent der Bevoelkerung sind mit der Arbeit des U.S. Congress zufrieden. Das sagt eigentlich alles. Die Leute merken, dass sich da keiner mehr um sie kuemmert. Die Republikaner sind davon besessen, Obama loszuwerden und vergessen darueber die Lage des Landes.

Und Obama hatte das Thema Arbeitslosigkeit entweder verschlafen oder war durch die Fuelle der Probleme ueberfordert. Das Gesetz zur Arbeitsbeschaffung haette er einbringen sollen, als die Demokraten noch die Mehrheit hatten. Ein Jahr vor der Wahl kommt er ein wenig spaet damit.

Die Polarisierung (und insbesondere die Starrkoepfigkeit der republikanischen Fuehrung) schaden diesem Land enorm. Ich bin gespannt, ob es in den naechsten Jahren zum Erstarken anderer Parteien bzw. zu Abspaltungen von den bestehenden Parteien kommen wird. Ich glaube, Bewegungen wie die Tea Party und Occupy Wall Street druecken das Beduerfnis danach aus.

Viele Gruesse,
Kai

Andreas hat gesagt…

Hallo Kai,

vielen Dank für die ausführliche und sehr interessante Antwort. Dass die Lokalität schließlich doch wesentlich die Heimatfrage bestimmt, das ist wohl wahr.

Ja, vielleicht ändert sich dieses schon fast seit Ewigkeiten bestehende Zwei-Parteien-System, das doch bereits längere Jahre nicht mehr ausreichend die moderne, vielschichtige US-Gesellschaft abbildet. Wobei ja die USA eh kein Parteien-Staat sind wie die z. B. BRD.

Wirksam wird das erst richtig, wenn das (Mehrheits-)Wahlsystem für die Bundesebene modifiziert werden würde.

Liebe Grüße,

Andreas